Das Landhaus mit Tradition

HERSCHEID - heute eine Ortschaft unter vielen im Ortsteil Witzhelden - kann auf eine historische Vergangenheit zurückblicken.

Im Jahre 1352 noch als Vlamersheym erwähnt, kam es durch Johann von Heßscheid zu seinem heutigen Namen - Herscheid -. Doch die adligen Besitzer, zum Beispiel die von Hall, von Driesch, oder gar der Geschichtsschreiber Henricus Flandrian, der im Jahre 1647 in der Witzheldener Kirche beigesetzt wurde, hatten die mit einem Burggraben umgebende Wasserburg bald an Unadlige abgegeben.

Heute noch ist die durch Herscheid führende Landstraße im Urkataster als Burgstraße bezeichnet. Sie war lange Jahre die Hauptverkehrsader zwischen Westfalen und Köln. Ihr Weg führte unter anderem über Burg, an der Wupper entlang, nach Glüder. Von hier aus erklomm sie in flachen Windungen den Berg hinauf über Scharweg nach Herscheid. Reste dieser alten Straße (Hohlweg) sind heute noch zu sehen.

Was lag näher, als hier in Herscheid zu rasten, damit sich Roß und Reiter von den Strapazen erholten und stärken konnten. Wahrscheinlich begehrte man bei dem damaligen Rittersitz Einlaß.

Im Laufe der Zeit wurde aus diesem Grund hier das erste Gasthaus gebaut.

Der erste uns bekannte Eigentümer dieses Hauses war wahrscheinlich Johann Jacob  Ludwig, welcher 1786 verstarb.

Seine beiden Söhne, Johann Peter Ludwig, verheiratet mit Maria Elisabeth Hölzer und Peter Johann Ludwig, verheiratet mit Maria Elisabeth Funke, teilten das Gebäude und waren beide Gastwirte. Dem Peter Johann war scheinbar das Glück nicht wohlgesinnt, denn er verstarb als Tagelöhner.

Johann Peter Ludwigs Tochter, Anna Maria Wilhelmina Ludwig, heiratete im Jahre 1841 den Wilhelm Peters aus Bechhausen. Im Jahre 1855 beantragte das Ehepaar die Konzession zum Führen der Gastwirtschaft, die sie von der verstorbenen Mutter/Schwiegermutter Maria Elisabeth Hölzer geerbt hatten. In der Konzessionsanfrage teilten sie mit, dass die Wirtschaft schon seit 80 Jahren besteht, also schon um 1775 von dem oben erwähnten Johann Jacob Ludwig betrieben wurde. Aus der Ehe des Wilhelm Peters stammte eine Tochter - Anna Elise Alwine Peters, die 1863 den Wilhelm Carl Rehborn aus Flamerscheid heiratete. So fand ein Besitzer und Namenswechsel statt.


Ernst Rehborn auf seinem Bullen

Mit dem Sohn Ernst Rehborn, der die Ida Halbach aus Diepenthal ehelichte, trat der 5. Eigentümer die Nachfolge an. Die Gaststätte hieß zur Zeit Ernst Rehborns " Zum roten Ochsen ".

v.l.n.r.: Ida Rehborn, geb. Halbach
Hildegard Rehborn und Ernst Rehborn

Dieses Ehepaar bekam wieder keinen Sohn, sondern die Tochter Hildegard. Auch sie blieb der Gastwirtschaft treu. Mit ihrem Ehemann, Fritz Lüsebrink, nahm sie das Zepter in die Hand, bis ihr Sohn Heinz mit seiner Gattin Margret als 7. Gastwirt in diesem Hause die Leitung übernahm.

 

Wie aus einer Anzeige im "Verkündiger" an der Niederwupper von 1872 zu entnehmen ist, fand am 15. September 1872, an diesem Ort die Herscheider Kirmes statt.

 

Heinz und Margret Lüsebrink werden bestimmt noch lange Jahre dieses Haus weiterführen, um es dann einmal ihrem Sohn Axel Lüsebrink als 8. Gastwirt zu übergeben.

Die heutigen Eigentümer
Familie Heinz Lüsebrink und Mitarbeiter

 
Erwähnenswert wäre noch, dass in dem ehemaligen Burggraben des alten Rittergutes Herscheid der Herzbach entspringt. Die letzten Überreste der alten Burg im Volksmund auch " Pitt Hötte " genannt, wurden 1953 abgerissen.